Aufgeesst!

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Ich bin immer wieder fasziniert vom kindlichen Spracherwerb. Mit welcher Leichtigkeit (und völlig ohne intellektuelle Kontrolle) dabei von Kleinkindern grammatikalische und sprachliche Regeln erkannt und ganz intuitiv angewendet werden. Zum Beispiel beim Konjugieren der Verben durch die Zeiten.

Bei regelmäßigen Verben wird im Deutschen in der ersten Person (also ich…) die einfache Vergangenheitsform durch Einfügen eines t gebildet: ich spiele – ich spielte. Das Partizip Perfekt Passiv (wichtig für die beiden anderen Vergangenheitsformen mit haben) wird durch die Vorsilbe ge- und ein -t am Ende gebildet: ich habe/hatte gespielt.

Dieses Muster wird von Zwei- bis Dreijährigen sehr schnell erkannt und konsequent angewendet: „Wir haben auf dem Bett getobt.“ Oder: „Ich habe Timmi einen Keks geschenkt.“ Die Trefferquote ist erstaunlich hoch, wenn man bedenkt, dass gerade die häufigsten und fundamentalen Tätigkeiten eines Kindes unregelmäßig gebildet werden: essen, aß, gegessen – trinken, trank, getrunken – laufen, lief, gelaufen – vorlesen, vorlas, vorgelesen – fahren, fuhr, gefahren – sehen, sah, gesehen.

Sollte Euer Kind deshalb bei seinen ersten Wörtern oder Sätzen mal stolz sagen: „Ich habe alles aufgeesst“, dann lobt es innerlich dafür, dass es die Regel schon erkannt hat und bestätigt liebevoll: „Stimmt, Du hast alles aufgegessen.“

Denn vielleicht wird irgendwann einmal aus diesem starken auch ein schwaches Verb, das nur noch regelmäßig gebeugt wird. So wie es dem Fragen und dem Backen bereits passiert ist, denn die Zeiten sind vorbei, in dem jemand nach einem Rezept frug und anschließend einen Kuchen buk

PS: Und um das auch noch klarzustellen: Niesen ist ein schwaches Verb, das als Partizip ganz regelkonform zu nieste, geniest gebeugt wird. Die Partizipialform genossen gehört zum Infinitiv genießen!

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