#LebenWieSauerteig

Lesedauer: 2 Minuten

Unter diesem Hashtag hat die lebensbejahende Margaretha Schedler zu einer Blogparade eingeladen. Wir wurden aufgefordert, unsere Assoziationen zu „Das Leben ist wie Sauerteig“ aufzuschreiben.

Wenn ich mir aber das Hashtag #LebenWieSauerteig betrachte, kann es auch anders gelesen werden; und als Wortfrau beschäftige ich mich natürlich besonders gern mit den verschiedenen Bedeutungen von Worten. 🙂
Das Leben oder leben? Substantiv oder Verb, Analogie oder Aufforderung?

Ich entscheide mich für Letzteres, da mir kein pfiffiges Bonmot à la „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel“ zum Sauerteig einfällt.

Aber was bedeutet es denn, zu leben wie ein Sauerteig? Muss ich mir da das Wort Sauerteig nicht auch nochmal genauer anschauen? Der Wortteil sauer als ein Gegenteil von süß bedeutet im übertragenen Sinn ja auch mühevoll, beschwerlich bzw. bei Menschen auch mürrisch oder unzufrieden. Mmh. Das möchte ich eigentlich nicht als Lebensmotto.

Aber: Sauer macht lustig, sagt der Volksmund.* Und in Zeiten vor Konservendosen und Gefriertruhen waren die Menschen heilfroh, dass man mithilfe von saurem Essig Lebensmittel haltbar machen und so den Winter überleben konnte. Ohne Sauerstoff** könnten wir schon im Sommer nicht überleben.
Also ein durchaus ambivalentes Wort, das sowohl negativ als auch positiv assoziiert wird, ja sogar dem Gas, das Grundlage allen Lebens ist, seinen Namen gegeben hat.

Ups, das hatte ich auf den ersten Blick gar nicht so erwartet, obwohl ich süß-sauren Gerichten sehr zugetan bin und durchaus die Akzente von Säure beim Essen zu schätzen weiß.

Nicht von heute auf morgen

Im Sauerteig wiederum sorgen die Hefen dafür, dass sich Säuren bilden und daraus Kleinstlebewesen, die durch ihren Stoffwechsel für die lockere Konsistenz und den würzigen Geschmack des fertigen Brotes verantwortlich sind.
Doch das passiert – und das darf wörtlich genommen werden – nicht von heute auf morgen. Es braucht seine Zeit. Durch Achtsamkeit und Wärme kann die Entwicklung unterstützt werden, durch Vernachlässigung und Kälte verlangsamt sich der Prozess oder kommt gar ganz zum Erliegen. Angeblich soll Einfrieren zur Konservierung möglich sein, doch fürchte ich um bleibende Schäden oder zumindest Einbußen bei der Qualität – beim Teig wie im Leben.

Andere Menschen zum Lachen bringen, ihnen beim (Über)Leben helfen, achtsam und wärmend, mit der nötigen Muße und Gelassenheit und hinterher ein wohliges Gefühl der Sättigung hinterlassend – so will ich leben wie ein Sauerteig. Guten Appetit!

*Die Redewendung hieß ursprünglich Sauer macht gelüstig und bezog sich darauf, dass säuerliche Lebensmittel den Appetit anregen. Tatsächlich gelten Säuren im Essen als appetit- und geschmacksfördernd. Zudem wirken sie positiv auf die Verdauung.

**Das chemische Element erhielt seinen Namen aufgrund des sauren Charakters vieler Oxyde vom französischen oxygéne für „Säuremacher“.

4 Antworten auf „#LebenWieSauerteig“

  1. Hallo Juliane,

    echt klasse, wie du „Leben wie Sauerteig“ aufdröselst. Ich bin immer wieder fasziniert, was unsere deutsche Sprache an Interpretations-Spielraum zulässt.
    Liebe Grüße
    Edith

    1. Hallo Edith,
      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass Dir mein Beitrag gefallen hat. 🙂
      Ich liebe die deutsche Sprache sehr und finde, dass ihr oft Unrecht getan wird. Ihre Komplexität bietet so viele Nuancen (und Interpretationsmöglichkeiten), dass man mit seiner Wortwahl wirklich immer sehr sorgfältig sein sollte. Aber eben auch tolle Möglichkeiten zur Differenzierung hat.
      Viele Grüße
      Juliane

  2. Hallo Juliane,
    per Zufall bin ich über die Blogparade auf Deinen Blog gestoßen – Super gemacht, den Link vom Sauerteig zum Leben in Deinem Text! Übrigens sorgen nicht nur Hefen, sondern auch Milchsäurebakterien für die Säure in dem Teig 🙂
    Ich freue mich, Deinen Blog gefunden zu haben, wohne selbst in Aachen und habe vor kurzem auch einen neuen Blog gegründet!
    Werde ab und zu bei Dir mal reinschauen!

    1. Liebe Annette,
      vielen Dank für Deinen Kommentar – es freut mich, dass Dir mein Text gefallen hat. 🙂
      Meine Themen sind ja etwas leichter als der Inhalt Deines Blogs. Aber gerade mit Berichten von Betroffenen und fundierten Informationen kannst Du sicher vielen helfen, die plötzlich mit dieser Diagnose und möglichen Therapie konfrontiert sind. Ich habe mich vor fast 20 Jahren als Knochenmarkspenderin registrieren lassen, weil ich hier eine breite Unterstützung durch die Bevölkerung sehr wichtig finde.
      Viele Grüße
      Juliane

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