Pinker Holunderblütenduft?!

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Manchmal glaube ich, dass Werbetexter die natürlichen Feinde der Sprachliebhaber sind (dicht gefolgt von Bürokraten, Juristen und Verwaltungsbeamten). Aber in zwei Worten gleich zwei Regeln nicht zu beachten, ist schon fast wieder eine Kunst!
Und gibt mir die Möglichkeit, gleich zwei Blogbeiträge (hier geht’s zum zweiten) zu schreiben, denn jede Regel für sich ist definitiv einen Post wert.

Beginnen wir mit dem ersten Wort. Tatsächlich kann man im Deutschen nur die Grundfarben sowie schwarz, weiß und grau beugen (=deklinieren): das rote Haus, den blauen Himmel, in dem grünen Wald. Alle anderen Farbzwischentöne (deren Namen häufig von Substantiven abgeleitet sind) werden beim Wandern durch die Fälle grammatikalisch korrekt nicht verändert: die rosa Wolke, der anthrazit Pullover, die pink Blüte.

Okay, gerade die beiden letzten klingen einfach falsch in den Ohren – deshalb darf und sollte man sich mit einem „Wordaround“ helfen: der beigefarbene Teller, die fliederfarbene Tischdecke. Das Anhängen von -ne (lilane) oder -e (orange) mag verlockend sein, ist aber falsch. Auch, wenn sich rosane Leggins in der Alltagssprache fest etabliert haben, sollte man im geschriebenen Wort darauf verzichten. Ebenso auf den pinken Duft.

(Wen es interessiert: Das Wort pink geht übrigens auf das englische Wort für Nelke zurück. Und noch mehr Beispiele für Farbbezeichnungen hat der wunderbare Kollege Bastian Sick schon 2014 in seiner Zwiebelfisch-Kolumne gesammelt.)

Dies und das

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Oder lieber dieses und jenes? Inhaltlich mag das kaum einen Unterschied machen. Der Teufel steckt hier im grammatikalischen Detail, und zwar in der Beugung, also wie sich die beiden Pronomen ändern, wenn z.B. von diesem und jenem die Rede ist. Und da gibt es einen großen Unterschied: Während dieser, diese, dieses analog zum bestimmten Artikel der, die, das durch die Fälle wandert, wird jener, jene, jenes wie ein Adjektiv behandelt.

Fall Der, die, das Dieser, dieses, dieses Jener, jene, jenes
Nominativ Der, die, das Dieser, dieses, dieses Jener, jene, jenes
Genetiv Des, der, des Dieses, dieser, dieses Jenen, jener, jenen
Dativ Dem, der, dem Diesem, dieser, diesem Jenem, jener, jenem
Akkusativ Den, die, das Diesen, diese, dieses Jenen, jene, jenes

Na gut, wenn man sich die Tabelle anschaut, sieht das doch trotzdem alles ziemlich ähnlich aus – warum schreibe ich also darüber?

Fall Der, die, das Dieser, dieses, dieses Jener, jene, jenes
Nominativ Der, die, das Dieser, dieses, dieses Jener, jene, jenes
Genetiv Des, der, des Dieses, dieser, dieses Jenen, jener, jenen
Dativ Dem, der, dem Diesem, dieser, diesem Jenem, jener, jenem
Akkusativ Den, die, das Diesen, diese, dieses Jenen, jene, jenes

Wegen des einzigen, aber häufig falsch verwendeten, Unterschieds im männlichen und sächlichen Genetiv Singular: Korrekt muss es heißen zu Beginn dieses Jahres und nicht zu Beginn diesen Jahres. Eben darum, weil es auch heißt zu Beginn des Jahres (und nicht zu Beginn den Jahres).
Achtung, und da wird es gemein: Spricht man über das Vorjahr, heißt es korrekt zu Beginn letzten Jahres (weil letzter ein Adjektiv ist und eben als solches und nicht wie ein Artikel gebeugt wird). Fügt man hier den ausgelassenen Artikel ein, wird es klarer: zu Beginn des letzten Jahres.

(M)ein monatliches Ärgernis

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Eigentlich ist es ganz einfach: Es gibt eine Regel und sie gilt tatsächlich ohne Ausnahme (und das ist, gerade für Sprachen und speziell für die deutsche, wirklich ziemlich außergewöhnlich!).

Die Regel lautet:  Für alle Zeiteinheiten von der Sekunde bis zum Jahr gilt, dass die Endsilbe -lich die Frequenz und die Endsilbe -ig die Dauer eines Ereignisses angibt.

Wenn vom täglichen Wetterbericht oder von der 14-tägigen Reise die Rede ist, verwendet das jeder intuitiv korrekt (und die meisten vermutlich ohne näher darüber nachzudenken). Auch das zehnjährige Kind oder die stündliche Abfahrt sind recht geläufig. Der 30-sekündige Werbespot ist da vielleicht schon seltener. Und dass jemand, der sehnlichst erwartet wird, sekündlich eintreffen kann, denken vermutlich die wenigsten.

Ins Stolpern geraten jedoch viele, wenn es um regelmäßige Termine gibt, die z.B. alle zwei Wochen stattfinden: Dann steht da oft 14-tägig. Aber das würde eben – siehe oben – eine Veranstaltungslänge von 14 Tagen bedeuten und nicht die Wiederholung der Veranstaltung nach 14 Tagen. (Was bei Reisen durchaus üblich ist, beim Skatabend eher weniger.)

Wem 14-täglich aber trotzdem schwer über die Lippen geht, weil es so ungewohnt ist, kann entweder den Turnus erhöhen (bei wöchentlichen Veranstaltungen ist eine Verwechslung mit einwöchigen Veranstaltungen nahezu auszuschließen;-). Oder er verwendet alternativ die Redewendung alle xx Tage/Wochen/Monate.